(Lokaler Pilot-Workshop in der Ukraine)
Eine Feldgeschichte aus dem Projekt „Empowering Creative Minds“, umgesetzt von UNAEDI — Ukrainisches Netzwerk für Erwachsenenbildung und Innovationsentwicklung.
Im März 2026 fand in der Stadt Sheptytskyi (Region Lwiw, Ukraine) ein zweitägiger Workshop mit dem Titel „Die Macht des Schattens“ statt, der Teil des internationalen Projekts „Empowering Creative Minds“ war. Neunundzwanzig Teilnehmer — Pädagogen, Binnenvertriebene (IDPs) und Vertreter kreativer Berufe — nahmen daran teil. Das Ergebnis war nicht nur eine Verbesserung des individuellen emotionalen Wohlbefindens, sondern auch die Bildung neuer Verbindungen zwischen Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen.
Warum Gemeinschaften mehr als nur Zugang zu Unterstützung benötigen
Ukrainische Gemeinschaften benötigen heute mehr als nur einfachen Zugang zu psychosozialer Unterstützung. Sie brauchen Werkzeuge, die es den Menschen ermöglichen, sicher zu interagieren und allmählich das soziale Gefüge wiederherzustellen, das Krieg und Vertreibung zerrissen haben. Deshalb schuf die Kombination internationaler Methoden mit lokal bedeutsamen Praktiken — Zeichenkohle und Mikro-Stickerei — Bedingungen für einen sanften, druckfreien Einstieg in die Gruppe, ohne sofortige tiefe Selbstoffenbarung zu fordern.
Erster Tag: Zeichenkohle und individuelle Selbstregulation
Der erste Tag konzentrierte sich auf die individuelle Selbstregulation durch Zeichenkohle – ein Werkzeug, das in die Kernmethodik des Projekts integriert ist. Es ermöglichte den Teilnehmern, ihre eigenen Erfahrungen in einer sicheren Umgebung zu verarbeiten, während Gruppenübungen leise eine Vertrauensbasis aufbauten. Menschen mit sehr unterschiedlichen traumatischen Geschichten konnten sich in ihrem eigenen Tempo engagieren, was die Grundlage für alles Folgende bildete.
Zweiter Tag: Mikro-Stickerei und kollektive Erfahrung
Am zweiten Tag verlagerte sich der Fokus vom Individuellen auf das Kollektive. Mikro-Stickerei – eine kulturell bedeutsame ukrainische Praxis – wurde zu einem Werkzeug der Verbindung. Durch das Erstellen von Symbolen und die Zusammenarbeit entwickelten die Teilnehmer ein Gefühl der Zugehörigkeit. Die Technik des „Cadavre Exquis“ stärkte die Gruppendynamik und ermöglichte es den Menschen, durch Kreativität zu interagieren, ohne ihr Trauma verbalisieren zu müssen.
Was der Workshop erreicht hat
Die Ergebnisse gingen über eine Reduzierung von Spannungen und eine Stimmungsverbesserung hinaus. Die Teilnehmer erreichten ein qualitativ neues Niveau des Kontakts miteinander. Entscheidend ist, dass sie nicht nur mit der Erfahrung sicherer Kommunikation gingen, sondern auch mit konkreten Werkzeugen, die sie in ihrer eigenen Gemeinschaftsarbeit anwenden können.
Ein replizierbares Modell für Gemeinschaftsresilienz
Der Workshop zeigt, dass effektive Gemeinschaftsarbeit eine Kombination aus einem strukturierten Ansatz und kulturell vertrauten Werkzeugen erfordert. Ein solches Modell ist in sehr unterschiedlichen Kontexten replizierbar, da es Raum für zwei gleichermaßen entscheidende Komponenten der Gemeinschaftsresilienz schafft: individuelle Stärkung und die Wiederherstellung sozialer Bindungen.
Über den Umsetzer
Umsetzer: UNAEDI — das Ukrainische Netzwerk für Erwachsenenbildung und Innovationsentwicklung.
UNAEDI bringt ukrainische Praktiker zusammen, die an der Schnittstelle von Erwachsenenbildung, psychosozialer Unterstützung und sozialer Innovation arbeiten. Im Rahmen des Projekts „Empowering Creative Minds“ passt UNAEDI internationale Methoden an die ukrainischen Realitäten an und unterstützt Pädagogen, Binnenvertriebene und Kreativschaffende beim Aufbau von Resilienz durch kunstbasierte Praktiken.




